Äthiopienreise 2016
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Aramo, Dumerso oder Idido – so klangvoll heißen Kaffee-Kooperativen und Processing Stations in der Yirgacheffe-Region in Äthiopien. Neun Mitglieder des SCAE German Chapters, vom Röster bis zur Barista-Trainerin, machten sich Anfang Januar auf den Weg, um diese Kooperativen im Süden Äthiopiens zu besuchen und um den Weg des Kaffees bis zum Anbau nachzuverfolgen.
Die Gruppe kehrte mit beeindruckenden Erlebnissen zurück, reihte sich während der Reise doch ein Highlight ans nächste: von traditionellen Kaffee-Zeremonien über Cuppings vor Ort in Yirgacheffe und Sidamo bis zum Besuch der Börse in Addis Abeba.

Der erste Tag in Addis Abeba stand im Zeichen des Ankommens und Kennenlernens. Die Reiseteilnehmer trudelten nach und nach im Hotel ein. Am Abend luden Freunde von Karlheinz Rieser, dem Organisator der Reise, zum Essen in ein äthiopisches Restaurant mit traditionellen Tanzvorführungen ein. Das äthiopische Essen, Injera (gesäuertes Brot) mit verschiedenen Saucen (Wots und Shiro), wird gemeinsam von einem Tablett gegessen, und zwar mit der Hand. Das will natürlich gelernt sein.
Am nächsten Morgen startete die eigentliche Reise zum Kaffee. In einer Kolonne aus drei Landcruisern brach die Gruppe früh aus Addis Abeba in Richtung Yirgacheffe auf. Nach achtstündiger Fahrt mit nur zwei kurzen Pausen in Yirgacheffe angekommen, besichtigte die SCAE-Gruppe direkt die erste Aufbereitungs-Station: Dumerso. Inhaberin Hirut zeigte stolz ihre drying beds – die Tische, auf denen die Kaffeekirschen zum Trocknen ausgebreitet werden.
 

Hirut, Inhaberin der Dumerso Station in Yirgacheffe
Das Ergebnis: sun dried bzw. natural Kaffee aus Yirgacheffe. Die nasse Aufbereitung fand nur während der mittleren Ernteperiode im Dezember statt, so dass die wet mill mit Entpulper, Sortierer und Wassertanks nur außer Betrieb und demontiert besichtigt werden konnte.
Hirut stammt aus einer kaffeebegeisterten Familie. Ihrem Vater gehört eine hulling station und ein Warehouse. Und ihr Bruder ist Inhaber der Aramo-Station, die die Reisegruppe am nächsten Tag besuchte. Dort wurde schnell klar: Das Sortieren der Kaffeebohnen ist in Äthiopien Frauenarbeit.

Frauen sortieren Kaffee in der Aramo Station
Auch in der Aramo-Station auf 1850 Metern Höhe war die wet mill schon außer Betrieb, lediglich die natural aufbereiteten Kaffeebohnen wurden sortiert und verpackt.
Die Möglichkeit, den Kaffeebauern Fragen zu stellen, bot sich beim Besuch der Kooperative Idido. Dort erklärte der zuständige Leiter ausführlich, wie Entpulper und wet mill funktionieren und wie die getrockneten Kaffeekirschen für den perfekten „Natural“ regelmäßig gewendet werden.
 

"Maschinenraum" in der Idido-Kooperative
Direkt neben der Aufbereitungsstation wohnen die Kaffeefarmer inmitten der südäthiopischen Wälder. Der Kaffee, der in natürlicher Umgebung zwischen anderen Pflanzen wie Ensete („falsche Banane“) wächst, gilt als „Garten“- oder „Waldkaffee“. Durch diese Gärten zu wandern und die Bauern vor ihren Hütten zu treffen, war für alle in der Reisegruppe ein besonderes Highlight. Hier bot sich auch Gelegenheit, selbst Hand anzulegen und Kaffee zu pflücken.
Dass die Kaffee-Ernte anstrengend und die Weiterverarbeitung aufwändig ist, daran besteht kein Zweifel. Besonders deutlich wurde dies aber beim nächsten Stopp, einer so genannten Hulling Station. Dort tragen Männer die 60 Kilo-Säcke auf den Schultern in ein Warehouse, wo die Bohnen von der Pergamenthaut getrennt, gelagert und für den Weitertransport bzw. Export vorbereitet werden.
Insgesamt legt man in Äthiopien viel Wert auf Spezialitätenkaffee und dessen nachhaltigen Anbau. So liegt in der Sidama Zone in der Nähe von Yirga Alem, auf halber Strecke zwischen Yirgacheffe und der Hauptstadt Addis Abeba,
eine Forschungsstation. Dort züchtet eine Außenstelle des Ethiopian Institute of Agricultural Research neue, besonders resistente Kaffeesorten. Da Kaffeeaufzucht eine langwierige Angelegenheit ist (bis zur Zulassung einer neuen Sorte vergehen 21 Jahre), testen die Forscher auf vielen abgetrennten Feldern verschiedene Bodenbeschaffenheiten, Düngemittel und Lichtverhältnisse. Alles mit dem Ziel, den Kaffeeanbau in Äthiopien nachhaltig zu fördern.
Um den Weg des äthiopischen Kaffees weiterzuverfolgen, fuhr die Gruppe in ein Warehouse der äthiopischen Warenbörse ECX (ethiopian commodity exchange) in Awassa. Das Q-Grader-Team vor Ort lud die SCAE-Gruppe zu einem Cupping ein. In den Lagerhäusern der ECX werden die eingesandten Kaffees bewertet (d.h. in die Qualitätsstufen der Börse einsortiert) und für den Verkauf über die Börse in Addis Abeba vorbereitet. Ungefähr 90 Prozent der äthiopischen Kaffees werden über die Börse gehandelt, die restlichen 10 Prozent über direkten Handel von den Kooperativen exportiert.
 

Cupping im ECX-Warehouse in Awassa
Die SCAE-Gruppe blieb dem Kaffee auf den Fersen und stattete der Börse in Addis Abeba einen Besuch ab. Dort bot sich die Gelegenheit, den Handel direkt zu beobachten. Die Verkäufer betreten das Börsenparkett im grünen Jackett, die Käufer tragen eine beige Weste. Die Deals finden per Handschlag statt. Entsprechend turbulent ging es auf dem Parkett zu.
Am letzten gemeinsamen Tag in Addis Abebe lud Heleanna Georgalis, Inhaberin von Moplaco, die SCAE-Gruppe in ihr Unternehmen ein. Sie berichtete von ihren Erfahrungen in der äthiopischen Kaffee-Industrie. Im Cupping Lab von Moplaco konnte die Gruppe elf verschiedene äthiopische Spitzenkaffees verkosten. Ein krönender Abschluss der Kaffee-Exkursion!

Wir alle haben schon viele Yirgacheffe-Kaffees getrunken. Der Gedanke, dass wir auf dieser Reise Kaffeebauern kennen gelernt haben, die vielleicht genau diesen Kaffee im Vorjahr geerntet hatten und Arbeiterinnen, die genau diesen Kaffee sortiert hatten, ist unbeschreiblich. Die Erlebnisse auf dieser Reise waren einmalige Eindrücke, die die Wertschätzung für Kaffee nochmals verstärken.
 

 

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